Silvester mit Hund: Notfallmaßnahmen, die funktionieren – und was du besser sein lässt
Für viele Hunde ist der Jahreswechsel eine besonders stressige Zeit – oft beginnt das Chaos bereits an Weihnachten. Menschen sind angespannter, Familien kommen zusammen, die Umgebung wird lauter und unruhiger als sonst. Dazu kommen die ersten Böller, die in der Nachbarschaft schon vor den Feiertagen gezündet werden. Spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag merkst du es: Dein Hund ist erschöpft. Er schläft mehr, reagiert empfindlicher, zeigt möglicherweise Jagdverhalten oder macht Dinge, die er sonst nie tun würde.
Dann rückt Silvester näher! Laute Knaller, unerwartete Lichtblitze, die Druckwellen der Explosionen und der stechende Geruch von Schwarzpulver – eine unangenehme Kombination für empfindliche Hundesinne. Hinzu kommt die allgemeine Unruhe: Familien verhalten sich plötzlich anders als im restlichen Jahr, die Routine ist gestört.
Dieser Stress, der durch die veränderten Umstände entsteht, baut sich auf und kann Tage bis Wochen dauern, bevor er wieder abklingt.
Das alles kann deinen Hund stark verunsichern oder sogar ängstigen. Besonders, wenn dies euer erstes Silvester zusammen ist oder du dir Sorgen machst, wie dein Hund reagieren könnte, ist es wichtig, frühzeitig aktiv zu werden. Lass es nicht darauf ankommen! Sei in dieser Zeit besonders achtsam und unterstütze deinen Hund, damit der Start ins neue Jahr für alle Familienmitglieder ein möglichst entspannter und angenehmer wird.
Wichtig ist dabei zu wissen, was deinem Hund wirklich hilft – und was du besser vermeiden solltest.
Was wirklich hilft
- Ein sicherer Rückzugsort:
Dein Hund sollte einen geschützten Platz haben, an dem er sich rundum wohlfühlt. Das könnte eine ruhige Ecke, eine Hundebox, ein abgedunkelter Raum oder auch die Couch, das Bett oder ein Platz unter dem Tisch sein. Wichtig ist, dass dein Hund diesen Ort von selbst nutzt, um zur Ruhe zu kommen – es ist sein persönlicher Rückzugsort. Dieser kann ihm Sicherheit geben, sei es aufgrund der Umgebung oder deiner Nähe, die ihm Geborgenheit vermittelt. - Stimmungsübertragung:
Hunde nehmen unsere Emotionen deutlich wahr. Wenn du ruhig, entspannt und gelassen bist, vermittelst du deinem Hund ein Gefühl der Normalität. Sucht er Schutz bei dir, sei für ihn da und gib ihm Trost. Berührungen wie sehr langsames Streicheln oder sanfter Körperkontakt mit leichtem Druck – so, dass er deine Nähe spürt – können sehr wohltuend sein. Diese Form der Unterstützung wirkt oft effektiver als Hilfsmittel wie ein Thundershirt, besonders bei einer starken Bindung zwischen euch. (schaue dazu auch weiter unten bei "Ignorieren der Angst) - Ausgeglichenheit und Entspannung:
Nutze die Tage zwischen den Feiertagen, um deinem Hund Ruhe und Ausgeglichenheit zu schenken. Plane Aktivitäten, die ihn körperlich und mental fordern, ohne Stress zu verursachen. Lange Spaziergänge in ruhigen Gegenden wie Wäldern oder Feldern, fernab vom Trubel, sind ideal. Auch Tricktraining, (Free) Shaping mit dem Clicker oder Nasenarbeit helfen ihm, sich zu entspannen. So kann dein Hund positive Energie tanken und geht nicht gestresst und nahtlos von Weihnachten in Silvester über. - Frühzeitig spazieren gehen:
An Silvester selbst solltest du rechtzeitig, idealerweise noch vor Beginn des Dunkelheit, eine ausgiebige Gassirunde einplanen. Lass deinem Hund dabei ausreichend Zeit, die Umgebung in seinem Tempo zu erkunden, und warte geduldig, wenn er schnüffelt. Auch dadurch wird er ausgeeglichen, denn das bewusste wahrnehmen und verarbeiten von Umgebungsreizen ist für Hunde sehr erfüllend. Es kann auch sinnvoll sein, die Fütterungszeit an diesem Tag entsprechend anzupassen, so dass du spätestens gegen 20 Uhr in einer ruhigen Ecke noch schnell die letze Runde machen kannst und nicht noch später raus musst. - Gut gesichert durch die Tage des Jahreswechsels
Zum Jahreswechsel 2022/2023 meldete Tasso über 1.000 vermisste Hunde und Katzen (Quelle). Ein Jahr später, rund um den Jahreswechsel 2024/2025, wurden etwa 430 entlaufene Hunde in Deutschland registriert. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, eure Tiere in den turbulenten Tagen rund um Silvester richtig zu sichern! Verwendet unbedingt eine Schleppleine oder Flexleine in Kombination mit einem gut sitzenden Geschirr wenn ein normaler Freilauf zu gefährlich ist da euer Hund durch die Böller in den Tagen vor Silvester schon gestresst reagiert. Es kann auch notwendig sein, selbst im eigenen Garten den Hund anzuleinen, um kein Risiko einzugehen. Besonders während eines Besuchs an Silvester ist erhöhte Vorsicht geboten: Damit keine unachtsam geöffnete Tür zur Gefahr wird, kann es sinnvoll sein, euren Hund vorsichtshalber auch innerhalb der Wohnung an der Leine zu lassen. Mit ein wenig zusätzlicher Aufmerksamkeit sorgt ihr dafür, dass eure Vierbeiner sicher und entspannt ins neue Jahr starten können! - Urlaub
Ein kurzer Urlaub über Silvester kann eine großartige Möglichkeit sein, um den Jahreswechsel entspannt und ohne Feuerwerkslärm zu verbringen. Besonders geeignet sind Orte oder Regionen, in denen Feuerwerk vollständig verboten ist – zum Beispiel in Naturschutzgebieten, Gegenden mit vielen Reetdachhäusern oder historischen Fachwerkhäusern unter Denkmalschutz. Es empfiehlt sich jedoch, im Vorfeld sorgfältig zu recherchieren. Manche Ferienanlagen werben zwar mit "böllerfrei", doch das bedeutet oft nur, dass innerhalb der Anlage selbst nicht geböllert werden darf – in den umliegenden Straßen kann es trotzdem laut zugehen. Wenn das für dich eine interessante Option ist, solltest du frühzeitig planen. Besonders beliebte Unterkünfte sind oft bereits ein Jahr im Voraus ausgebucht! - Tiefgarage
Ein interessanter Tipp, den ich erhalten habe, ist ein Besuch in einer Tiefgarage in der Stadt. Je nachdem, wie und wo ihr wohnt, könnte das tatsächlich eine praktische und gute Lösung sein da hier die Geräuschkulisse definitiv ziemlich ausgeschaltet ist und euer Hund friedlich in seinem Auto schlafen kann, oder ihr nutzt den trockenen, geschützen Raum für etwas Training:-) - Mein Geheimtipp für die Silvesternacht: die Autobahn!
Mein persönlicher Geheimtipp für Silvester ist die Autobahn! Wenn dein Hund gerne Auto fährt und die Autobahn bei euch nicht durch dicht besiedelte Stadtgebiete führt, ist das eine perfekte Möglichkeit, stressige Feuerwerksgeräusche zu vermeiden. Die meisten Autobahnen liegen weit abseits von Stadtzentren, sodass Lichtblitze und Knallgeräusche nur gedämpft wahrgenommen werden, wenn überhaupt. Der monotone Klang des Fahrens wirkt zudem beruhigend auf viele Hunde.
Wir fahren zum Beispiel gegen 23 Uhr los, sind in wenigen Minuten auf dem Autobahnzubringer und fahren dann etwa eine Stunde zu einem abgelegenen Parkplatz. Dort gönnen wir den Hunden eine kleine Pause und geben ihnen eine Kaustange. Gegen 00:30 oder 00:45 machen wir uns auf den Heimweg. Zu dieser Zeit ist die Nachbarschaft meist zur Ruhe gekommen, und wir kommen entspannt und friedlich wieder nach Hause.
Flughafen an Silvester? Lieber nicht!
Ja, das ist absolut ernst gemeint. Wenn dein Hund Probleme mit Silvester hat, ist der Flughafen einer der letzten Orte, die ich dir empfehlen würde!
Zwar ist das Böllern direkt auf dem Flughafengelände verboten, aber die meisten Flughäfen liegen so nah an der Stadt, dass ihr spätestens außerhalb des Gebäudes mitten im Feuerwerkstrubel steckt. Hinzu kommt, dass der Aufenthalt im Flughafen für deinen Hund alles andere als entspannt ist: glatte Böden, Menschenmassen, Hektik, eine ungewohnte Umgebung und eine Geräuschkulisse, die nur die wenigsten Hunde gelassen ertragen können. Stell dir vor, wie dein Hund reagiert, wenn du ihn mit in ein großes Einkaufszentrum oder auf eine Messe nimmst. Fühlt er sich dort unwohl? Dann ist der Flughafen definitiv keine gute Wahl!
Zusätzlich gibt es dort viele andere Hunde – oft auch gestresste oder ängstliche Tiere - denn die anderen sind nicht hier - und schon sprechen wir wieder von Stimmungsübertragung. Dieses Umfeld ist alles andere als förderlich, wenn dein Hund zur Ruhe kommen und entspannt bleiben soll.
Medikamente? - Umstritten!
- Homöopathisch?
Produkte wie Relaxan, Sedarom, Nurexan oder Rescue-Tropfen können unter Umständen helfen, deinen Hund in der stressigen Silvesternacht etwas zu beruhigen. Allerdings sind diese Mittel keine Wundermedizin – sie können höchstens unterstützend wirken. Da es sich um homöopathische Mittel handelt, ist es wichtig, frühzeitig, idealerweise schon an Weihnachten, damit zu beginnen. Diese Stoffe entfalten ihre Wirkung erst nach und nach im Körper, weshalb die Dosierung bis Silvester kontinuierlich gesteigert werden muss.
Aus meiner Erfahrung können solche Mittel dazu beitragen, dass der Hund entspannter ist. Aber Vorsicht: Nach Silvester sollten sie unbedingt schrittweise, über mindestens 8 Tage, ausgeschlichen werden! Andernfalls könnte dein Hund nach den Feiertagen nervlich vollkommen überfordert sein und sehr gestresst reagieren! - Tierarzt?
Von den oben genannten Präparaten bekommst du Sedarom beispielsweise beim Tierarzt, für das ebenfalls die oben beschriebenen Hinweise gelten.
Vorsicht ist jedoch bei sogenannten "starken" Medikamenten geboten, die den Hund regelrecht lahmlegen. Solche Mittel, die die Angst nicht wirklich verarbeiten, sondern den Hund nur daran hindern, sie zu zeigen, sind absolut abzulehnen. Sie nehmen dem Tier die Möglichkeit, Schutz zu suchen oder zu flüchten, was sowohl für das Wohlbefinden als auch für den Tierschutz problematisch ist. Nur weil ein Hund teilnahmslos wirkt, bedeutet das nicht, dass sein Emotionszentrum nicht auf Hochtouren läuft!
Wenn ihr euch für Medikamente vom Tierarzt entscheidet, besprecht genau, wie sie wirken und welche Auswirkungen sie auf euren Hund haben. Bewusst nenne ich an dieser Stelle keine konkreten Präparate, da eine genaue Beratung durch den Tierarzt unerlässlich ist.
Sylvestermärchen - die du besser vermeiden solltest!
- Die Angst nicht ignorieren:
Eines der schlimmsten Dinge, die du tun kannst, ist, deinen ängstlichen Hund zu ignorieren. Angst lässt sich weder verbieten noch verdrängen, und sie wird auch nicht besser, wenn du als Sozialpartner deinen Hund im Stich lässt. Wenn du die Angst ignorierst und deinen Hund mit seinem Problem allein lässt, kann er zudem nicht flüchten (was ohnehin keine gute und oft gefährliche Lösung wäre), verstärkt sich die Angst und wird schlimmer!
Du kannst deinem Hund stattdessen durch Nähe und Schutz helfen: Berühre ihn, halte ihn, biete ihm Geborgenheit. Es ist psychologisch unmöglich, das Gefühl der Angst zu verstärken, indem man etwas Positives hinzufügt. Wichtig ist jedoch, dass du selbst ruhig und entspannt bleibst, um deinem Hund Sicherheit zu geben. Bist du hingegen nervös, ängstlich oder fahrig, kannst du das Verhalten, das aus seiner Angst resultiert, ungewollt verstärken. Auch durch falsche Belohnungen kann dies passieren. Es ist essenziell, zwischen dem Gefühl der Angst und dem daraus entstehenden Verhalten zu unterscheiden. - Wegsperren vermeiden:
Deinen Hund aus der sozialen Gemeinschaft auszuschließen, also "wegzusperren", erzeugt zusätzlichen Stress und verstärkt seine Angst – es ist keine Lösung. Oft geschieht dies, weil der Mensch überfordert ist, mit der Familie oder Besuch feiern möchte oder einfach keine Zeit für den Hund hat. Doch das Wegsperren über einen längeren Zeitraum (bereits ab 4 Minuten nachweislich) ist für deinen Hund extrem belastend. Es führt zu Unsicherheit, auffälligem Verhalten und schwächt die Bindung und das Vertrauen zwischen euch. Vermeide dies unbedingt! - Eierlikör
Eierlikör war eine Zeit lang ein Trend, aber bedenke: Alkohol verändert zwar die Wahrnehmung und beeinflusst die Reaktionsfähigkeit, doch nur weil dein Hund betrunken wirkt, bedeutet das nicht, dass er keine Angst mehr empfindet. Er ist lediglich nicht mehr in der Lage, sie zu zeigen! Darüber hinaus ist es ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, einem Hund Alkohol zu geben. Jedes Jahr landen an Silvester viele Hunde mit Alkoholvergiftung als Notfall bei den Tierkliniken – das muss nicht sein! - "Da muss er durch" ist keine Lösung:
Dieser Satz ist oft eine bequeme Ausrede und, wenn es um die Angst und Unsicherheit deines Hundes geht, ein klares Zeichen dafür, dass jemand keine Lust hat, Verantwortung zu übernehmen. Dein Hund auf sich allein gestellt zu lassen, in einer Situation, die ihn überfordert, zeigt wenig Verständnis und Mitgefühl. Ein solches Verhalten hinterlässt Risse in eurer Beziehung. - Keine Böller in der Nähe:
Verzichte darauf, selbst Raketen oder Böller zu zünden. Diese machen es deinem Hund nur noch schwerer, mit der ohnehin stressigen Situation umzugehen.
Fazit: Mit der richtigen Vorbereitung und einem großen Maß an Verständnis kannst du Silvester für deinen Hund deutlich stressfreier gestalten. Konzentriere dich auf Maßnahmen, die ihm Sicherheit geben, und vermeide alles, was ihn zusätzlich belasten könnte. So könnt ihr gemeinsam entspannt und stressfrei ins neue Jahr starten!
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