Rückruf, Stopp & Umkehrsignal

Veröffentlicht am 18. Januar 2026 um 14:20

Immer wieder stellen sich Hundehalter Fragen wie: „Warum kommt mein Hund nicht, wenn ich ihn rufe? Wieso gibt es unterschiedliche Signale? Wann ist welches Signal sinnvoll? Und wie setze ich es richtig ein?“
Der Rückruf – oder besser gesagt, ein Signal, das deinem Hund vermittelt, dass er zu dir kommen soll – gehört zu den wichtigsten Signalen im Alltag mit deinem Hund. Und das nicht nur, wenn du ihn frei laufen lassen möchtest. Sicher nutzt auch du täglich eine Art „Komm-zu-mir“-Signal, ob dein Hund nun im Garten ist und du ihn ins Haus holen möchtest, ob andere Hunde euch beim Spaziergang begegnen und du deinen Hund veranlassen willst, an der Schleppi oder der Flex in deinen Nahbereich rufen willst, oder ob du ihn aus dem Freilauf zurückholen möchtest.

Doch genau hier beginnt oft das Problem: Viele Hunde kommen weder aus dem Garten ins Haus noch vom Ende der langen Leine bis zu ihrem Menschen. Und wenn das nicht zuverlässig klappt, ist an einen sicheren Rückruf beim Freilauf kaum zu denken. Aber weißt du, warum das so ist?
Ich verrate es dir: Es fehlt an einem guten Grund für den Hund – und an Verbindlichkeit!

Der „gute Grund“: Wenn du deinen Hund aus dem Garten rufst, bedeutet das für ihn oft, dass der Spaß vorbei ist – eine Belohnung gibt es vielleicht auch nicht.
Die „Verbindlichkeit“: Kommt er mal nicht oder nur zögerlich, ist das für viele Menschen oft auch in Ordnung, man ist gerne mal Großzügig wenn es gerade in den eigenen Tagesplan passt. Das Problem dabei: Es fehlt an einem klaren Ritual. Wenn dein Hund schon hier keine feste Struktur gelernt hat, wird er erst recht nicht kommen, wenn es spannend oder aufregend wird.

Und an der langen Leine? Da ist es oft dasselbe: Vielleicht sagst du „Hier“ und dein Hund kommt nur ein Stück auf dich zu. Manchmal gehst du ihm sogar entgegen, vielleicht aus Sorge, dass die Zeit knapp wird, bevor ein entgegenkommender Hund zu nah ist. Im Endeffekt bringst du deinem Hund nun bei, das das vielleicht mal gut trainierte „Hier“ im Sinne von „Komm ganz zu mir“, nun eine schwammige Bedeutung hat und in verschiedenen Faccetten großzügig ausgelegt werden darf.


Rückruf – mach dich interessant

Wenn es darum geht, dass dein Hund auf die Rückrufsignale hört, ist es wichtig, dass du für ihn interessant bleibst, und das es sich für ihn lohnt zu dir zu kommen. Das heißt, dass du ihm etwas Attraktives anbieten solltest. Was das ist, kann sehr unterschiedlich sein, aber kein Hund würd freudig zu dir gehuscht kommen, wenn du mit einer drohenden Körperhaltung und keifender Stimme auf dem Weg Rumpelstilzchen spielst:-) und ganz ehrlich, das kennst du doch auch? Wenn dein Partner mal wieder seine 5 Min. hat, gehst du auch nicht kuscheln, sondern auf Abstand und wartest auf besseres Wetter. Oder aber es lohnt sich einfach nicht auf ihn zu reagieren, weil du zu wenig positive Vibes von ihm bekommst, und wenn du nun gerade eine spannende Ablenkung geboten bekommst, dann ignorierst du ihn sicherlich auch schon mal ganz gerne. Das ist nicht nur menschlich, sondern auch für Hunde vollkommen normal, denn spätestens, wenn dein Hund durch genügend Abstand im Freilauf sich entscheiden muss wird er abwägen was für in diesem Moment die bessere Option ist.

Die richtige Belohnung macht den Unterschied.
Aber was ist das? Vielleicht hast du auch schon die Erfahrung gemacht, dass es Situationen gibt, in denen dein Hund sich für deine Kekse nicht interessiert? Nicht weil er gerade gestresst ist und einfach nicht mehr fressen kann, sondern einfach weil seine Aufmerksamkeit vollkommen bei einer spannenden oder tollen Sache ist.
Was jetzt hilft, ist, wenn du eine Hitliste hast – eine Hitliste deines Hundes. Nein, nicht die 5 verschiedenen Käse und Wurstsorten die dein Hund am tollsten findet, sondern mindestens 20 Dinge die dein Hund mega findet. Ja, auch essbares ist dabei, aber da gibt es noch viel, viel mehr! Vielleicht buddelt dein Hund irre gerne, vielleicht sind Pipi stellen für ihn der magische Magnet, vielleicht sind es die getragenen Socken, deren er sich nicht erwehren kann oder ein Spielzeug das du an einer Schnur über den Boden zappeln lässt? Diese und viele weitere Möglichkeiten hast du. Beobachte deinen Hund und schreib dir eine Hitliste mit SEINEN Hobbys. Beim nächsten Mal wo er im Garten emsig eine Maus ausbuddelt und den von dir angebotenen Keks für ein kommen sicherlich wieder mal ignorieren würde, bietest du ihm dann vielleicht ein Fangspiel oder ein Beutespiel mit dir an und wirst überrascht sein. Kennst du die Bedürfnisse deines Hundes, dann kannst du deine Belohnung wählen und adäquat einsetzten:-)

Das Alltags-Rückrufsignal sollte ein einfaches, klares Wort sein, das du konsequent nutzt, wie etwa „Hier“ oder „Komm her“. Dieses Signal muss deinem Hund vertraut sein und sollte regelmäßig positiv verstärkt werden. Allerdings darfst du es nicht inflationär oder ohne Konsequenz verwenden, da es sonst an Bedeutung verliert. Ein Signal, das keine Konsequenz hat, wird für deinen Hund uninteressant und schließlich ignoriert.

Ein häufiger Fehler: Viele Hundehalter rufen ihren Hund mit „Komm her“ und lassen ihn dann ins Haus oder an die Leine, ohne das Signal weiter zu verstärken. Hierbei ist es wichtig, den Rückruf spannend zu gestalten und deinen Hund auf dem Weg zu dir weiter zu motivieren, sodass er den Fokus nicht verliert.

Ein „Stopp“-Signal hingegen ist ein spezielles Signal, das deinem Hund vermittelt, sofort stehenzubleiben oder sich zu setzen. Es ist besonders hilfreich in Situationen mit Gefahrenpotenzial oder in jagdlichen Kontexten. Hierbei ist es wichtig, das Signal gezielt zu trainieren. Eine klare Körpersprache und ein gut trainiertes Signal wie „Sitz“ oder „Platz“ erleichtern es deinem Hund, das Stopp-Signal zu verstehen. Beachte: Ein „Platz“ ist am sichersten, da der Hund in dieser Position weniger Ablenkungen wahrnehmen kann. Manche Hunde bevorzugen jedoch ein „Sitz“, wenn sie das Gefühl haben, sich in einer unsicheren Umgebung besser orientieren zu können.

Das Umkehrsignal ist eine Art spielerischer Rückruf und bedeutet für deinen Hund: „Dreh dich um und komm zu mir zurück.“ Dieses Signal funktioniert besonders gut, wenn es nicht mit einer unangenehmen Konsequenz wie dem Anleinen verbunden ist. Es wird durch Spaß und Belohnung trainiert und ist besonders effektiv, da es für Hunde oft mit positiven Emotionen verknüpft wird. Ein plötzlicher Richtungswechsel, gefolgt von einer spielerischen Interaktion oder Party mit deinem Hund, verstärkt dieses Signal enorm.

Leider erleben viele Hunde den Rückruf als etwas Negatives, da er oft nur dann eingesetzt wird, wenn etwas für den Hund Unangenehmes folgt, wie das Beenden des Freilaufs oder das Anleinen. Ziel sollte es sein, dass dein Hund den Rückruf mit positiven Momenten verknüpft. Ein Rückruf sollte immer bedeuten: „Komm zu mir, hier ist es großartig!“

Ein verbindlicher Rückruf, ein Stopp-Signal und ein Umkehrsignal sind drei essenzielle Werkzeuge, die jedem Hundehalter das Leben erleichtern. In jagdlichen Situationen, in denen ein Hund einem Reiz widerstehen muss, ist es besonders wichtig, dass er diese drei Signale beherrscht. Es erfordert Training, Geduld und vor allem positive Verstärkung, damit dein Hund versteht, dass diese Signale wichtig und lohnenswert sind.

Zusammengefasst:

  • Ein Alltags-Rückruf wie „Hier“ oder „Komm her“ sollte einfach und regelmäßig trainiert werden und mit positiven Erfahrungen verknüpft sein.
  • Das Stopp-Signal eignet sich hervorragend in gefährlichen Situationen, wenn dein Hund an Ort und Stelle verharren soll. Es sollte zuverlässig sein, beispielsweise mit „Sitz“ oder „Platz“.
  • Das Umkehrsignal ist spielerisch und motivierend. Es sorgt dafür, dass dein Hund sich umdreht und freudig zu dir zurückkommt.

Das Training dieser Signale muss konsequent, positiv und situationsbezogen erfolgen. Wenn du diese Strategien beherrscht, wird der Alltag mit deinem Hund entspannter und sicherer. Und keine Sorge – ich helfe dir gerne, diese Signale individuell auf dich und deinen Hund abzustimmen. Lass uns gemeinsam an der „Rückruf-Stopp-Umkehr-Challenge“ arbeiten!

 

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